Nicht meckern sondern verändern
Gladbacher Künstlerin initiierte Protestaktion gegen Armut

von JULIANE WILDERMANN / BERGISCH GLADBACH.
Mit solch einem Zuspruch hatte sie nicht gerechnet. Mona Schwenker, freischaffende Künstlerin aus Schildgen, hat am 1. September gemeinsam mit drei Kollegen die Aktion "Kunststimmen gegen Armut" ins Leben gerufen. Jeder Bürger kann auf unterschiedlichste Weise ein Werk zum Thema Armut und Hartz IV schaffen und zum 15. November an den Deutschen Bundestag schicken.
"Die Resonanz ist toll. Bereits nach drei Wochen haben wir etwa tausend Zusagen bekommen", sagt Mona Schwenker.
Die Idee zu der ungewöhnlichen Aktion hatte die gebürtige Kölnerin, als Kollege Tom Baier in einem Forum über die "neue" Armut in Deutschland sprach. Schnell wurde die Gruppe um Anne Radstaak und Bettina Gladisch erweitert. "Es war alles sehr spontan. Am 20. August kam die Idee, am 1. September haben wir schon angefangen", sagt Schwenker. Dabei kennen sich die Künstler gar nicht persönlich. Schwenkers Kollegen wohnen alle in Süddeutschland, die Kommunikation läuft über Internet und Telefon.
Das Ziel der vier ist es, ein Zeichen gegen die fortschreitende Armut in Deutschland zu setzen. Mona Schwenker: "Es muss was passieren. Es ist erschreckend, was in Deutschland derzeit abläuft. Wir wollen nicht meckern, sondern etwas verändern."Die Initiatoren haben auch schon Zuschriften von Betroffenen bekommen. Studierte Leute, die von 345 Euro im Mo nat leben müssen, 40-Jährige, die "weg vom Arbeitsmarkt" seien, Hartz-IV-Empfänger, die kaum ihre Kinder ernähren könnten. "Wir wussten vieles nicht und waren geschockt", sagt Schwenker.
Was die Gruppe fordert, ist nicht neu: Bekämpfung der neuen Armut in Deutschland, gerechte Verteilung vorhandener Ressourcen an alle Mitglieder der Gesellschaft, Abschaffung von Ein-Euro-Jobs und Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns Aber die Art und Weise, wie die Künstler vorgehen, ist anders. Die Werke sollen geballt am 15. November am Bundestag ankommen. Das hieße: im Minimalfall tausend Bilder samt Begleitschreiben. "Sie werden gezwungen sein, da mit etwas zu tun", so Schwenker. Sie könnten sich nicht leisten, alles wegzuschmeißen. "Das würde mich an die Bücherverbrennung im Dritten Reich erinnern." Angesprochen sind alle Bürger, die sich äußern möchten oder einfach nur mithelfen wollen. "Wir haben bisher Künstler angeschrieben, Sportvereine, Erwerbslosenforen, Gewerkschaften und noch viele mehr", sagt die allein erziehende Mutter. Mittlerweile würden sich auch Privatpersonen und sogar Kinder melden. Auch ihr Sohn Bryan beteiligt sich an der Aktion. "Er schickt eine CD mit eigenen Liedern nach Berlin." Mona Schwenker hat selbst aber noch kein Bild gemalt. "Bei dem ganzen Trubel kam ich noch nicht dazu."
Quelle: Bergische Landeszeitung, Print-Ausgabe, 01.10.2007